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Über Karneval war EDELGARDmobil sowohl in der Telefonzentrale unter 0221-221-27777 erreichbar, als auch mit Info-Teams auf der Straße unterwegs und für Feiernde ansprechbar. In den Regionen Südstadt, Zülpicher Platz/ Barbarossaplatz, sowie Aachener Straße/ Brüsseler Platz tauschten sich die Teams mit Feiernden aus und informierten über die Möglichkeit, sich im Bedarfsfall Hilfe zu holen. Dabei konnten mehr als 4700 Personen erreicht werden.

„Generell haben wir bei diesem Einsatz einen erhöhten Bedarf für Beratung besonders bei jungen Menschen festgestellt,“ erklärt Çiya Rädler, EDELGARDmobil Einsatzkraft. „Viele berichten sogar draußen auf der Straße, außerhalb von gezielten Beratungssettings, von ihren Erlebnissen und äußern sich dankbar über das Hilfsangebot“.

Die Ursache für den erhöhten Bedarf sei nicht genau zu ermitteln. „Zum einen funktioniert die Zusammenarbeit mit Sanitätskräften und Polizei immer reibungsloser, so dass viele Betroffene über die Möglichkeit der anonymen, unabhängigen Beratung informiert werden, wenn sie einen Vorfall melden oder im Versorgungszelt erscheinen,“ so Hanna Frank, EDELGARD Projektkoordinierung. „Zum anderen erleben wir auf der Straße neben sehr viel positivem Feedback auch zunehmend aggressives Verhalten oder genervte Äußerungen von Männern, die auf eine erhöhte Verbreitung von Antifeminismus zurückzuführen sind. Auch dieses Verhalten wirkt sich sicherlich negativ auf die Sicherheit von Mädchen, Frauen und queeren Personen aus.“

Die von EDELGARD als erhöhter Bedarf beschriebene Nutzung des Angebots wird vom Projekt nicht in Zahlen gefasst, da EDELGARD kein Indikator für tatsächliche Fallzahlen von sexualisierter Gewalt sei. Potenziell erhobene Zahlen sollen den Bedarf nicht verfälschen. Das Team warnt auch davor, von der Polizei erhobene Zahlen als tatsächliche Fallzahlen zu kalkulieren. Viele Fälle würden nie gemeldet, was für eine deutlich höhere Zahl der Betroffenen spreche.

Eine hohe Zahl nicht bekannter oder gemeldeter Fälle bestätigt jetzt auch die Dunkelfeld-Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“, die das Bundeskriminalamt in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt hat. Die erste in Deutschland erhobene repräsentative und geschlechterübergreifende Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen zeigt deutlich, dass sexuelle Belästigung weit verbreitet ist, aber nur selten angezeigt wird – und dass besonders Mädchen stark betroffen sind. Demnach erlebten über 50 Prozent der 18-24-jährigen Frauen in den vergangenen fünf Jahren sexuelle Belästigung mit Körperkontakt.

Zwei öffentlich gewordene Fälle um Karneval betreffen eine Bar-Toilette sowie die von der Stadt Köln aufgestellten Dixi-Klos.

EDELGARD appelliert an die Stadt, die Dixi-Toiletten nur noch geschlechtergetrennt als FLINTA*- und Männer-Toiletten zur Verfügung zu stellen und mit geschultem Sicherheitspersonal auszustatten. Eine binäre Trennung der Toiletten wurde am 11.11. bereits an den Uniwiesen getestet und an Karneval zumindest in Bereiche der Südstadt ausgebaut. Die Weiterentwicklung dieses Konzeptes bedürfe mindestens einem erhöhten Stand an Sicherheitspersonal, Auswirkungen auf andere Beteiligte, wie die AWB, könne EDELGARD nicht einschätzen. Jedoch könnte das Risiko für Übergriffe und Vergewaltigungen durch dies als eine Maßnahme weiter reduziert werden.

Auch Bars und Kneipen sollten ihr Sicherheitspersonal schulen und mit klaren Hausregeln und Awareness-Konzepten gegen Übergriffe in ihren Räumen vorgehen.

Das Fazit von EDELGARD bleibt jedoch ganz klar. Mit Blick auf die Projekt-Finanzierung, die Ende des Jahres wieder ausläuft: Karneval ohne EDELGARD wäre fatal.